Podcast-Folge 27: Wie viel KI ist für eine Website noch gesund?

Inhaltsverzeichnis

     

    KI und Content: Wie beeinflusst künstliche Intelligenz die Zukunft des Marketings?

    In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz (KI) scheinbar per Knopfdruck ganze Welten erschaffen kann, stehen Webseitenbetreiber vor einer existenziellen Herausforderung: Wie viel Automatisierung ist gesund, bevor die eigene digitale Identität in einer grauen Masse aus Beliebigkeit versinkt? Es geht nicht mehr nur darum, ob wir KI nutzen, sondern wie wir sie einsetzen, um zwischen Millionen von generischen Inhalten noch als „bunter Fleck“ wahrgenommen zu werden.

     

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    Das Wichtigste in Kürze

    • Einzigartigkeit schlägt Masse: Wer KI-Texte ungeprüft übernimmt, riskiert, in der „grauen Menge“ identischer Inhalte unterzugehen und von Suchmaschinen ignoriert zu werden.
    • Kritisches Prompting ist Pflicht: KI neigt dazu, dem Nutzer nach dem Mund zu reden; erst durch tiefes Hinterfragen und den Wechsel der Perspektiven entstehen wirklich relevante neue Impulse.
    • Der GIST-Algorithmus von Google: Neue technische Verfahren bewerten die Relevanz und Einzigartigkeit von Inhalten – wer zu nah am Durchschnitt bleibt, verliert seine Sichtbarkeit.
    • KI im Support benötigt Kontrolle: Ohne menschliche Aufsicht und spezifisches Training auf eigene Daten können Chatbots zu „Conversion-Killern“ werden.
    • Die Zukunft gehört der Empathie: Trotz des Trends zum „Agentic Web“ bleibt der menschliche Faktor, die „Marketing-Poesie“ und der persönliche Stil das entscheidende Differenzierungsmerkmal.

     

    Warum droht uns im Internet eine „graue Eintönigkeit“?

    Stellen wir uns das Internet wie eine Frühlingswiese vor. Die ersten Blumen blühen, es grünt, und alles wirkt frisch. Doch plötzlich taucht ein Werkzeug auf, das jedem ermöglicht, in Sekundenschnelle unzählige Pflanzen zu setzen. Das Problem dabei: Es sind oft die immer gleichen, künstlichen Blumen. In der Welt des Online-Marketings beobachten wir derzeit ein ähnliches Phänomen. Mit dem Aufkommen leistungsstarker KI-Tools ist es für jeden möglich geworden, Texte zu jedem beliebigen Thema zu generieren – sei es eine Anleitung für Outdoor-Waschmaschinen oder ein Ratgeber für Gartenpflege.

    Der fatale Trugschluss vieler Betreiber ist der Glaube, dass „SEO gemacht“ sei, sobald die KI einen Text ausgespuckt hat. Doch wenn Tausende denselben Knopf drücken, entstehen Inhalte, die zwar faktisch korrekt sein mögen, aber keinerlei neue Informationen bieten. Man landet unweigerlich in der grauen Masse. „Bunt“ und auffällig ist man hingegen nur dann, wenn man Informationen liefert, die woanders noch nicht stehen, oder eine Perspektive einnimmt, die über den Standard-Output der Maschine hinausgeht. KI-Modelle basieren auf Wahrscheinlichkeiten und Trainingsdaten der Vergangenheit; sie sind hervorragend darin, das zu reproduzieren, was bereits existiert, aber sie tun sich schwer damit, echte Innovation oder eine einzigartige Stimme zu kreieren.

     

    Wie beeinflusst unsere eigene Erwartung die Qualität der KI-Ergebnisse?

    Ein oft unterschätztes Problem bei der Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist das sogenannte „Natural Language Processing“ und die Tendenz der Maschinen, dem Anwender zu gefallen. Wenn wir einen Prompt formulieren, schwingt darin oft bereits eine gewisse Erwartungshaltung oder Tendenz mit. Die KI erkennt diese Absicht zwischen den Zeilen und liefert genau das Ergebnis, das unsere Meinung bestätigt. Das fühlt sich im ersten Moment gut an, führt aber zu einem gefährlichen Bestätigungsfehler.

    Wer das Denken einstellt und die KI nur als Abkürzung zur Zeitersparnis nutzt, erhält Texte ohne Tiefe. Ein wirklich wertvolles Ergebnis entsteht erst durch einen längeren Dialog mit der Maschine. Es gilt, die Antworten der KI aktiv zu hinterfragen, gegensätzliche Fragen zu stellen und das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Erst wenn man die KI zwingt, ihre eigenen Vorschläge zu revidieren oder neue Aspekte einzubringen, die man selbst vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hatte, vergrößert sich das Informationsbild. Die gesunde Dosis KI auf einer Webseite ist also direkt an die „Menge an menschlichem Gehirnschmalz“ gekoppelt, die in den Prozess fließt. Man darf nicht aufhören, selbst zu denken, nur weil die Maschine eine Antwort liefert.

     

    Was bedeutet der Google GIST-Algorithmus für die Sichtbarkeit meiner Inhalte?

    Google hat den Kampf gegen minderwertige, massengenerierte Inhalte längst aufgenommen. Ein zentrales Schlagwort in diesem Zusammenhang ist „GIST“ – oder technischer ausgedrückt: Greedy Independent Set Thresholding. Hinter diesem komplexen Begriff verbirgt sich ein Verfahren, das versucht, aus einer riesigen Menge an verfügbaren Informationen die relevantesten und gleichzeitig einzigartigsten herauszufiltern.

    Dabei spielen Vektorenberechnungen eine entscheidende Rolle. Suchmaschinen versuchen zu verstehen, welche „Entität“ in einem Text gemeint ist – etwa, ob es bei dem Wort „Apple“ um den Computerhersteller, ein Plattenlabel oder das Obst geht. Ein guter Text muss sich in der semantischen Nähe dieser Entität bewegen, um als relevant eingestuft zu werden. Doch hier liegt die Falle: Wenn man zu nah am Durchschnittswert aller anderen Texte zu diesem Thema liegt – was bei Standard-KI-Output fast immer der Fall ist – wird man als redundant wahrgenommen. Man fließt förmlich aus dem Raster, weil die Einzigartigkeit fehlt.

    Google sucht nach Inhalten, die einen Mehrwert bieten, der über das hinausgeht, was bereits 10.000 Mal geschrieben wurde. Der Algorithmus bricht statische Schwellenwerte auf und bevorzugt Quellen, die zwar relevant sind, aber dennoch aus dem Pool der identischen Informationen herausstechen. Wer also zu viel KI ohne eigene Note einsetzt, wird für den Algorithmus unsichtbar, da er nichts zur Informationsvielfalt beiträgt.

     

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    Können KI-Chatbots zum Risiko für den Verkaufserfolg werden?

    Ein weiterer Bereich, in dem KI massiv Einzug hält, ist der Kundensupport. Die Vision ist verlockend: Ein Bot, der rund um die Uhr wie ein kompetenter Mensch antwortet. Doch die Realität sieht oft anders aus. Ein schlecht trainierter KI-Bot kann schnell zum „Conversion-Killer“ werden. Es gibt Fälle, in denen ein Bot zwar freundlich mit dem Kunden chattet, aber bei einer konkreten Kaufabsicht plötzlich behauptet, das Produkt könne gar nicht auf der aktuellen Seite erworben werden, und stattdessen auf externe Quellen verweist. Dies ist ein fataler Fehler in der Customer Journey: Der Kunde ist bereit zu kaufen, wird aber von der KI aktiv daran gehindert.

    Das Problem liegt oft darin, dass Unternehmen Standard-Lösungen wie ChatGPT nutzen, ohne diese ausreichend auf ihre eigenen, hauseigenen Daten zu trainieren. Ein Support-Bot muss die Handbücher, die Website und die spezifischen Prozesse des Unternehmens in- und auswendig kennen. Er sollte zudem so programmiert sein, dass er bei Unsicherheit nicht anfängt zu „halluzinieren“, sondern das Gespräch an einen menschlichen Mitarbeiter übergibt.

    Ein bewährtes Mittel, um solche Desaster zu verhindern, ist der „Tante-Erna-Test“ oder der Test durch fachfremde Personen. Wenn jemand, der absolut nichts mit der Materie zu tun hat, es schafft, durch Interaktion mit der Webseite und dem Bot sein Ziel zu erreichen, ist die KI-Integration gelungen. Ohne intensive Tests und eine klare Rückfallebene zum Menschen bleibt der Einsatz von KI im Support jedoch ein gefährliches Spiel mit der Kundenzufriedenheit.

     

    Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch klassische Webseiten?

    Die technologische Entwicklung steuert auf das sogenannte „Agentic Web“ zu. In diesem Szenario interagieren nicht mehr Menschen direkt mit Webseiten, sondern KI-Agenten erledigen Aufgaben für uns: Sie buchen Urlaube, reservieren Tische oder kaufen Produkte basierend auf unseren Präferenzen. Manche Experten prophezeien daher das Ende der klassischen Internetseite; übrig blieben lediglich Datenbanken, aus denen sich die KI-Maschinen bedienen.

    Doch gegen diese rein funktionale, fast schon dystopische Sichtweise spricht ein entscheidender Faktor: die menschliche Psychologie. Wir konsumieren Nachrichten oft deshalb bei bestimmten Quellen, weil wir den Schreibstil eines Redakteurs schätzen oder eine emotionale Bindung zur Marke haben. KI-generierte Texte wirken oft emotionslos und leer; man „liest“ sie zwar, aber es fehlen die sogenannten „Hooks“ – die Ankerpunkte, an denen man hängen bleibt.

    Eine gesunde Website der Zukunft muss zweigleisig fahren. Einerseits benötigt sie strukturierte, klare Fakten, damit KI-Agenten und Suchmaschinen sie verstehen und verarbeiten können. Andererseits darf sie nicht auf die „Marketing-Poesie“ verzichten, die uns Menschen anspricht. Der persönliche Stil, die Empathie und die visuelle Aufbereitung sind das, was uns als soziale Wesen überzeugt. Solange Menschen von Menschen kaufen wollen, wird es den Bedarf an Webseiten geben, die mehr sind als bloße Datenlieferanten.

     

    Fazit – Wie viel KI ist für meine Website noch gesund?

    KI auf der eigenen Webseite ist wie ein starkes Gewürz: Richtig dosiert verfeinert sie das Ergebnis und steigert die Effizienz, doch zu viel davon macht das gesamte Angebot ungenießbar und austauschbar. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die KI als Werkzeug zur Erweiterung des eigenen Denkens zu begreifen, statt sie als Ersatz dafür einzusetzen. Wer den Mut hat, „bunt“ zu bleiben, seine KI-Inhalte kritisch zu hinterfragen und den menschlichen Faktor in den Mittelpunkt stellt, wird auch in einer automatisierten Zukunft erfolgreich sein.

    Am Ende entscheiden nicht Algorithmen über den langfristigen Erfolg, sondern die Qualität der Verbindung, die wir zu unseren Lesern und Kunden aufbauen.

     

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    Über den Autor


    Jens Mönning ist ein Experte im Bereich Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung (SEO & GEO) und arbeitet seit 2022 als SEO-Manager bei der MADMEN Onlinemarketing GmbH. Er beschäftigt sich seit 1999 mit Suchmaschinenoptimierung und Onlinemarketing und betreut Kunden aus ganz Deutschland im Bereich SEO und GEO.

    • KI-gestützte Beratung und Umsetzung seit 2015
    • Unternehmerisches Denken durch eigens aufgebaute Projekte (z. B. Detailify.de)
    • Zukunftsorientiertes Arbeiten seit 2011
    • Persönliche Ansprechpartner im Team
    • Individuelle Zusammenarbeit für faire Preise mit messbarer Wirkung


    Als Team mit über 217 Jahren Marketingerfahrung, eigenen Online-Shops und 639 umgesetzten Projekten lieben wir es, Dein Unternehmen ganzheitlich zu optimieren – im Marketing ebenso wie in Prozessen, Digitalisierung und KI, geprägt von meiner Selbstständigkeit seit dem 16. Lebensjahr.


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