Podcast-Folge 16: Sterben Websites aus?

Inhaltsverzeichnis

     

    Ein Internet ohne Webseiten – ist die Website vom Aussterben bedroht?

    In der sich rasant entwickelnden digitalen Landschaft wird nicht mehr nur über das Ende von SEO diskutiert, sondern eine weitaus grundlegendere Frage aufgeworfen: Ist das Konzept der klassischen Website, wie wir sie seit den 90er Jahren kennen, ein Auslaufmodell? Die Diskussion dreht sich um die Abhängigkeit von Technologie-Monopolen, die fundamentale Veränderung der Informationsbeschaffung durch Künstliche Intelligenz (KI) und die Frage, ob wir uns vom visuellen Surfen hin zu reinen Datenströmen bewegen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Die Onlinemarketing Debatte auf Spotify anhören

    Das Wichtigste in Kürze

    • Verschiebung des Fokus: Die Debatte hat sich von „SEO ist tot“ hin zu „Die Website stirbt“ verlagert, da KI-Systeme die Notwendigkeit klassischer Websites infrage stellen.
    • Struktur vor Design: Für KI-Systeme wie ChatGPT sind visuelle Elemente (CSS, Skripte) Ballast; sie benötigen reine, strukturierte Daten, um Informationen effizient zu verarbeiten.
    • KI-Butler statt Browser: Zukunftsszenarien skizzieren eine Welt ohne Browser, in der persönliche KI-Assistenten oder Apps basierend auf Nutzerdaten proaktiv Informationen und Produkte liefern.
    • Verlust der Markenidentität: Ohne eigene Website fehlt Unternehmen der digitale „Hafen“, in dem Corporate Identity und Designkontrolle stattfinden; sie werden zu bloßen Datenlieferanten.
    • Gefahr der Filterblase: Eine rein algorithmische Informationsauswahl könnte Nutzer noch stärker in isolierte Blasen führen, in denen keine neuen oder abweichenden Perspektiven mehr stattfinden.
    • Digitale Koexistenz: Trotz technischer Machbarkeit bleibt die menschliche Komponente und Gewohnheit ein Faktor, der einen sofortigen Tod der Website unwahrscheinlich macht – ähnlich wie Bücher neben E-Books weiterhin existieren.

     

    Hat sich die Rolle von HTML im Zeitalter der KI überlebt?

    Ein zentraler Kritikpunkt an der aktuellen Web-Architektur ist die Art und Weise, wie HTML verwendet wird. Ursprünglich war HTML als reine Strukturierungssprache gedacht, um Inhalte logisch zu gliedern. Doch über die Jahrzehnte hat sich die Nutzung gewandelt. Was in den 90er Jahren mit einfachen Browsern wie Netscape begann, wo man noch geduldig auf den Aufbau von Text und Bildern wartete, ist heute ein hochkomplexes visuelles Konstrukt.

    Das Problem dabei ist, dass die visuelle Aufbereitung für den menschlichen Nutzer oft zulasten der maschinellen Lesbarkeit geht. HTML-Tags, wie etwa Überschriften (H-Tags), werden häufig missbräuchlich für Designzwecke eingesetzt, anstatt die inhaltliche Hierarchie abzubilden.

    Während Suchmaschinen wie Google über Jahre gelernt haben, dieses Chaos durch Rendering zu interpretieren und visuelle Darstellungen zu „verstehen“, stehen neue KI-Systeme vor einer anderen Herausforderung.

    Systeme wie ChatGPT oder Perplexity benötigen keine schöne grafische Oberfläche. Für sie ist der gesamte „Overhead“ einer Webseite – all das CSS, die Skripte und das Design, das für das menschliche Auge gemacht ist – im Grunde nutzloser Ballast. Um effizient zu arbeiten, müssen diese KIs den visuellen Mantel abwerfen und zum Kern der Information vordringen.

    Die logische Konsequenz dieser Entwicklung ist radikal: Wenn die Maschine der primäre Konsument von Informationen wird, um sie dem Nutzer dann aufzubereiten, ist die klassische Webseite als Präsentationsmedium technisch gesehen ein Hindernis. Die Forderung geht daher hin zu reinen, strukturierten Datenübermittlungen, etwa über JSON-LD oder neue Protokolle, die Informationen direkt und ohne designbedingte Umwege an die KI liefern.

     

    Ersetzen KI-Assistenten und „Apps“ den klassischen Browser?

    Das Szenario, das als Alternative zur klassischen Website gezeichnet wird, ist eine Abkehr vom „Surfen“ wie wir es kennen. Anstatt aktiv einen Browser zu öffnen und verschiedene URLs zu einzelnen Websites anzusteuern, könnten Nutzer in Zukunft dazu übergehen, auf intelligente Apps oder KI-Systeme zurückzugreifen, die als persönliche Assistenten fungieren.

    Die Vorstellung ist, dass diese Assistenten – bildlich gesprochen wie ein „Butler“ – genau wissen, was der Nutzer benötigt. Basierend auf einer riesigen Menge an gesammelten Daten, wie dem Browserverlauf, Cookies, bisherigen Interaktionen und Standortdaten, antizipiert das System die Bedürfnisse des Nutzers. Man geht nicht mehr zu Amazon oder in einen Online-Shop, um eine Waschmaschine zu suchen. Stattdessen teilt man seinem KI-Assistenten (vielleicht sogar nur per Sprache über Kopfhörer) mit, dass man eine neue Waschmaschine braucht. Der Assistent liefert dann das perfekt passende Ergebnis, ohne dass der Nutzer jemals eine Webseite besucht hat.

    Technisch ist dies durch Schnittstellen und strukturierte Datenfeeds bereits machbar. Wenn Produktinformationen standardisiert in einen Datenpool eingespeist werden, können Apps diese abgreifen und dem Nutzer präsentieren. Der Nutzer konsumiert das Ergebnis, nicht die Quelle. Dies würde den fundamentalen Wandel vom „Holen“ (Surfen und Suchen) zum „Empfangen“ (durch KI kuratierte Ergebnisse) bedeuten.

     

    Führt die extreme Personalisierung in die Informations-Einbahnstraße?

    Diese Bequemlichkeit hat jedoch einen Preis, der in der Diskussion um das Sterben der Websites kritisch beleuchtet wird: die Entstehung und Verfestigung von Filterblasen. Schon heute kennen wir das Phänomen aus sozialen Medien und der personalisierten Google-Suche. Wer sich für ein Thema interessiert, bekommt immer mehr gleiche bzw. thematisch passende Inhalte angezeigt, was dazu führt, dass man in einer thematischen Blase gefangen ist.

    Wenn Websites als unabhängige Quellen wegfallen, die man aktiv ansteuern kann, um sich eine Meinung aus verschiedenen Blickwinkeln zu bilden (ähnlich dem Kauf verschiedener Zeitungen am Kiosk), begibt man sich in eine absolute Abhängigkeit von den Auswahlmechanismen und Vorschlägen der KI. Die KI entscheidet, was relevant ist. Zwar kann dies bei lokalen Suchanfragen – wie der Suche nach einer Pizzeria in der Nähe – durchaus praktisch und gewünscht sein, da hier der Standort als relevanter Filter dient, doch bei komplexeren Themen oder dem Wunsch nach Inspiration fehlt das Moment des Zufalls und der Vielfalt.

    Wenn der „persönliche Butler“ nur noch das serviert, was der Nutzer aufgrund seiner Historie wahrscheinlich mag, wird die Welt des Nutzers kleiner. Es gibt keine Chance mehr, etwas zu finden, das außerhalb des eigenen Profils liegt. Die Vielfalt des „großen Internets“, in dem man stöbern und Neues entdecken kann, würde durch eine hoch effiziente, aber monotone Informationsversorgung ersetzt.

     

    Verliert das Marketing seine visuelle Heimat und Datenhoheit?

    Für Unternehmen stellt sich bei diesem Szenario eine existenzielle Frage: Wo findet Marke statt? Die eigene Website war bisher der „sichere Hafen“. Hier bestimmen Unternehmen ihr Design, ihre Corporate Identity (CI) und die Art und Weise, wie Nutzer durch ihre Produktwelt geführt werden. Das Design ist ein wesentlicher Aspekt des Marketings – man denke nur an die Haptik und Ästhetik, die Marken wie Apple über ihre Webpräsenz transportieren.

    Fällt die Webseite weg, werden Unternehmen zu reinen Datenlieferanten für KI-Systeme. Die Darstellung der Produkte erfolgt dann in der generischen Benutzeroberfläche der KI-App, nicht mehr im markenspezifischen Design des Herstellers.
    Zwar argumentieren Befürworter, dass Branding auch heute schon „Multi-Channel“ auf Plattformen wie Instagram oder TikTok stattfindet, doch auch dort bewegt man sich immer im Design-Korsett der jeweiligen Plattform. Eine eigene Webseite bietet eine Exklusivität und Tiefe, die ein Social-Media-Feed oder eine KI-Antwort nicht replizieren kann. Social Media ist schnelllebig und flüchtig; die Website hingegen ist die Konstante, die Basis.

    Ein weiterer kritischer Punkt ist die Datenhoheit. Die Website fungiert derzeit als die „Single Source of Truth“. Ändert ein Unternehmen seine Adresse oder Produktpreise auf der Webseite, gilt dies als die verlässliche Information. In einer dezentralisierten Welt, in der Daten über Feeds an verschiedene KI-Systeme verteilt werden, stellt sich die Frage, welcher Instanz die KI vertraut, wenn Informationen widersprüchlich sind. Die Optimierung würde sich dann vollständig von der Suchmaschinenoptimierung (SEO) hin zur Datenfeed-Optimierung verschieben, um in den Auswahlprozessen der KI überhaupt noch stattzufinden.

     

    Wie realistisch ist das Ende der Webseite wirklich?

    Trotz der technischen Möglichkeiten, die KI und Datenfeeds bieten, ist ein abruptes Aussterben von Websites unwahrscheinlich. Die Geschichte der Medien zeigt, dass neue Technologien alte selten vollständig ersetzen, sondern oft ergänzen oder in Nischen drängen. Das gedruckte Buch und die Tageszeitung existieren immer noch, obwohl es seit Jahren digitale Alternativen gibt. Auch die Schallplatte erlebte ein Revival, obwohl Streaming-Dienste wie Spotify die Musiknutzung dominiert haben und den Besitz von physischen Tonträgern fast obsolet machten.

    Es ist davon auszugehen, dass Websites und KI-basierte Informationssysteme eine ganze Zeit lang parallel existieren werden. Der Wandel wird wahrscheinlich eher ein schleichender Prozess über Generationen hinweg sein. Während jüngere Generationen vielleicht ganz selbstverständlich KI-Assistenten für den Einkauf nutzen, werden ältere Nutzergruppen weiterhin auf die vertraute Struktur von Webshops und Websites setzen.

    Zudem gibt es emotionale und psychologische Barrieren. Menschen sind visuelle Wesen und „Romantiker“; das Erlebnis, eine schön gestaltete Seite zu besuchen, lässt sich nicht rein durch effiziente Datenübermittlung ersetzen. Solange Nutzer den Wunsch haben, zu „stöbern“ und Marken visuell zu erleben, wird die Webseite in irgendeiner Form Bestand haben. Dennoch müssen wir uns darauf einstellen, dass die Art, wie wir das Internet nutzen, vor einem der größten Umbrüche seit der Einführung des World Wide Web steht.

     

    Fazit – ist das Ende der Website besiegelt?

    Die Diskussion um das Sterben von Websites ist weit mehr als nur technische Spekulation; sie berührt die Grundfesten unserer Informationsgesellschaft. Während KI-Systeme technisch in der Lage wären, das visuelle Web durch effiziente Datenströme zu ersetzen, würde dies einen massiven Verlust an Markenidentität, Vielfalt und digitaler Autonomie bedeuten. Es ist wahrscheinlich, dass sich das Web wandelt und Websites zunehmend für Maschinen optimiert werden müssen, doch als visueller Anker und kulturelles Gut werden sie – ähnlich wie das Buch – wohl nicht so schnell vollständig verschwinden.

    Die Zukunft liegt vermutlich in einer hybriden Welt, in der strukturierte Daten für KIs und visuelle Erlebnisse für Menschen parallel existieren.

     

    Die Onlinemarketing Debatte auf YouTube anhören

    • KI-gestützte Beratung und Umsetzung seit 2015
    • Unternehmerisches Denken durch eigens aufgebaute Projekte (z. B. Detailify.de)
    • Zukunftsorientiertes Arbeiten seit 2011
    • Persönliche Ansprechpartner im Team
    • Individuelle Zusammenarbeit für faire Preise mit messbarer Wirkung


    Als Team mit über 217 Jahren Marketingerfahrung, eigenen Online-Shops und 639 umgesetzten Projekten lieben wir es, Dein Unternehmen ganzheitlich zu optimieren – im Marketing ebenso wie in Prozessen, Digitalisierung und KI, geprägt von meiner Selbstständigkeit seit dem 16. Lebensjahr.


    30 Minuten kostenlose Marketingbewertung via Microsoft Teams

    Kostenlose SEO Tipps für Deine Website

    Uncategorized - Passende Artikel

    Podcast-Folge 18: SEO-Jahresausblick 2026 & der „Educated Click“

      Der Educated Click, Authentizität als Trend und Spezialisten- vor Generalisten-Websites, das SEO-/GEO-Jahr 2026 startet mit Vollgas! Der SEO-Jahresausblick für 2026 zeigt eine digitale Landschaft im...

    Podcast-Folge 17: SEO-Jahresrückblick 2025

      Das Jahr 2025 geht in die Geschichte der Google-Suche ein. Alles auf Anfang!  Das Jahr 2025 markiert einen radikalen Wendepunkt in der Geschichte der digitalen...

    Podcast-Folge 15: KI-Frust oder KI-Lust?

      Künstliche Intelligenz im Alltag: Lust und Frust zugleich? In dieser Folge sprechen wir über die Nutzung von KI im Alltag und beleuchten die damit verbundenen...

    top