Die digitale Landschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, da künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie Nutzer Informationen suchen und konsumieren, fundamental verändert. In einer Zeit, in der KI-generierte Antworten direkt in den Suchergebnissen erscheinen, müssen Unternehmen ihre Strategien überdenken, um weiterhin relevanten Traffic auf ihre Webseiten zu lenken. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Herausforderungen und zeigt auf, welche Kanäle und Taktiken in der Ära der KI entscheidend sind, um Sichtbarkeit und Erfolg nachhaltig zu sichern.
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Das Wichtigste in Kürze
- Drastischer Rückgang klassischer Klicks: Durch KI-Overviews in Suchmaschinen sinken die Klickraten auf Top-Platzierungen massiv, teilweise um bis zu 61 %.
- Omni-Channel-Strategie ist Pflicht: Die einseitige Abhängigkeit von Google ist riskant; ein Mix aus Owned, Paid und Earned Media ist für stabilen Traffic unerlässlich.
- Bing als B2B-Geheimtipp: In Unternehmenskontexten ist Bing oft voreingestellt und liefert über den Co-Pilot wertvolle, „warme“ Leads.
- Indirekte Effekte von Ads: Bezahlte Werbung steigert nicht nur direkt den Traffic, sondern verbessert durch Markensuchen und Nutzersignale auch langfristig das organische Ranking.
- Aktivität erzeugt Relevanz: „Earned Media“ durch Events, Studien oder PR-Aktionen generiert wertvolle Backlinks und Erwähnungen, die für KI-Modelle und Suchmaschinen gleichermaßen wichtig sind.
Was verändert sich durch die Einführung von KI-Übersichten in der Suche?
Die Einführung von AI Overviews (KI-Übersichten) markiert einen Wendepunkt für das klassische Suchmaschinenmarketing. Erste Daten deuten darauf hin, dass die Klickzahlen auf die ehemals begehrte Top-1-Platzierung dramatisch einbrechen können – die Rede ist von einem Minus von bis zu 61 %. Der Grund dafür ist simpel: Die KI liefert die Antwort oft direkt auf der Suchergebnisseite, sodass für den Nutzer keine Notwendigkeit mehr besteht, eine externe Webseite zu besuchen. Was früher ein garantierter Traffic-Bringer war, wird nun zu einer „Zero-Click-Search„. Trotz dieser erschreckenden Tendenzen ist es verfrüht, von einer Katastrophe zu sprechen, doch die Alarmglocken für Webseitenbetreiber läuten bereits laut.
Wie können wir KI-Traffic überhaupt noch messen?
Ein großes Problem für Marketer bleibt die mangelnde Transparenz. Google wird in dieser Hinsicht oft als „Blackbox“ wahrgenommen, da in der Search Console bisher kaum verwertbare Daten zu KI-basierten Zugriffen bereitgestellt werden. Im Gegensatz dazu bieten die Bing Webmaster Tools bereits heute deutlich mehr Einblicke. Hier können Betreiber sehen, welche Prompts genutzt wurden, um Einblendungen in den KI-Antworten zu erzeugen. Bei diesen sogenannten „Grounding Queries“ handelt es sich um Phrasen, die mit den „Longtail Keywords“ aus der klassischen Google Suche verglichen werden können.
Seit Kurzem ist es bei Bing sogar möglich, direkt auf Suchanfragen zu klicken und die konkret ausgespielten URLs zu sehen, was die Analyse deutlich konkreter macht als in der Vergangenheit. Für Webseitenbetreiber, insbesondere im B2B-Bereich, ist die Anmeldung in den Bing Webmaster Tools daher mittlerweile ein sinnvoller Schritt, um nicht völlig blind zu agieren.
Warum ist eine Omni-Channel-Strategie heute wichtiger denn je?
In Zeiten, in denen der direkte Traffic aus organischen Suchen abnimmt, ist es riskant, alles auf eine Karte zu setzen. Eine Omni-Channel-Strategie ist die Antwort auf die sinkende Verlässlichkeit einzelner Kanäle. Es geht darum, über den Tellerrand der reinen Suchmaschinenoptimierung (SEO) hinauszuschauen und auf verschiedenen Plattformen präsent zu sein.
Das Ziel muss sein, einen Content Hub auf der eigenen Webseite zu schaffen und diesen über verschiedene Wege zu bespielen. Dazu gehören:
- Owned Media: Kanäle, die man selbst kontrolliert, wie die Homepage, der eigene Newsletter und Social-Media-Accounts.
- Paid Media: Gezielte Werbeschaltungen über Google Ads, Bing Ads oder Social Media, um besonders in Saisonspitzen das Maximum an Aufmerksamkeit zu generieren.
- Earned Media: Sichtbarkeit, die man sich durch Qualität „verdient“, wie Backlinks von anderen Seiten, Erwähnungen in der Presse oder in Lexika wie Wikipedia.
Wie unterstützen bezahlte Anzeigen meine organische Sichtbarkeit?
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass das Schalten von Google Ads das organische Ranking direkt verbessert – einen solchen unmittelbaren Algorithmus-Zusammenhang gibt es nicht. Dennoch existiert ein entscheidender indirekter Effekt. Durch Werbung wird die erste Hürde im Marketingkanal genommen: die Aufmerksamkeit.
Wenn Nutzer eine Marke durch Anzeigen immer wieder sehen, beginnen sie, gezielt nach dieser Marke zu suchen. Diese Zunahme an Markensuchanfragen ist ein starkes Signal für den Google-Algorithmus, dass die Seite relevant ist, was wiederum das organische Ranking positiv beeinflussen kann. Darüber hinaus erzeugen Klicks auf Anzeigen wertvolle Nutzersignale. Wenn Google bspw. über den Chrome-Browser registriert, dass Nutzer intensiv mit einer Seite interagieren (viele Klicks, lange Verweildauer), kann dies dazu führen, dass die Seite langfristig auch ohne Anzeigen von hinteren Plätzen auf die erste Seite rutscht.
Wie generiere ich „verdiente“ Aufmerksamkeit in einer digitalen Welt?
„Earned Media“ ist die Königsdisziplin im Marketing. Hierbei geht es darum, dass andere über das eigene Unternehmen berichten, ohne dass dafür direkt bezahlt wurde. Ein hervorragendes Beispiel sind Branchen-Events oder Messen. Solche Veranstaltungen werden oft monatelang im Vorfeld beworben, was zu einer massiven digitalen Resonanz führt. Speaker teilen ihre Vorfreude bspw. auf LinkedIn, Teilnehmende schreiben Previews und später Recaps – all das erzeugt eine Flut an Links und sozialen Signalen.
Besonders effektiv ist es, wertvolles Wissen in Form von Studien, Datenblättern oder Infografiken bereitzustellen. Wenn diese Inhalte so gut sind, dass sie als Quelle in Fachpublikationen oder sogar in Wikipedia-Artikeln genannt werden, ist das Gold wert. Selbst wenn kein direkter Link gesetzt wird, ist die reine Erwähnung der Marke (Entität) für moderne Algorithmen und Large Language Models (LLMs) ein wichtiger Hinweis auf die Autorität einer Webseite.
Worauf sollte man beim Linkaufbau heute achten?
Das Thema Backlinks hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Früher konnten schlechte Links (Spam) schnell zu Abstrafungen führen, weshalb man mühsam über das Disavow-Tool „schlechte“ Quellen ausschließen musste. Heute ist Google deutlich smarter: Das System erkennt minderwertige Links meist automatisch und rechnet sie einfach aus der Bewertung heraus, ohne die Seite direkt zu bestrafen. Dennoch bleibt der Kauf von billigen Linkpaketen reine Geldverschwendung.
Stattdessen sollte der Fokus auf hochwertigen Kooperationen liegen, wie zum Beispiel Advertorials in großen Nachrichtenmagazinen. Diese sind zwar teuer und haben oft eine begrenzte Laufzeit, bringen aber echten Traffic und steigern die Sichtbarkeit. Auch soziale Netzwerke wie LinkedIn oder Instagram bieten Möglichkeiten, Backlinks im Profil zu hinterlegen, die zwar technisch oft „No-Follow“ sind, aber dennoch für Aufmerksamkeit und Traffic sorgen. Am Ende zählt nicht nur die Linkkraft, sondern dass Menschen über diese Links auf die eigene Expertise aufmerksam werden und im nächsten Schritt gezielt nach der Marke suchen.
Fazit – Woher kommt mein Traffic in Zeiten von KI?
In der Ära der künstlichen Intelligenz reicht es nicht mehr aus, sich auf den Lorbeeren vergangener SEO-Erfolge auszuruhen. Die drastischen Veränderungen bei den Klickraten fordern ein Umdenken hin zu einer aktiven und breit gestreuten Präsenz auf allen relevanten Kanälen. Wer heute sichtbar bleiben will, muss „klappern“, Inhalte geschickt über Newsletter und Social Media streuen und durch hochwertige Informationen die Aufmerksamkeit von Mensch und Maschine gleichermaßen gewinnen.
Letztlich bleibt die eigene Webseite als zentraler Content Hub das wichtigste Fundament, um in einer dynamischen digitalen Welt dauerhaft erfolgreich zu sein.
Über den Autor

Jens Mönning ist ein Experte im Bereich Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung (SEO & GEO) und arbeitet seit 2022 als SEO-Manager bei der MADMEN Onlinemarketing GmbH. Er beschäftigt sich seit 1999 mit Suchmaschinenoptimierung und Onlinemarketing und betreut Kunden aus ganz Deutschland im Bereich SEO und GEO.




