Google hat die Google Shopping Ergebnisse in Europa entfernt!
Das Ende von Google Shopping: Folgen für Händler und Verbraucher
Ein radikaler Wandel erschüttert den europäischen E-Commerce: Mitte September hat Google die kostenlosen Produktanzeigen und das gewohnte Shopping-Karussell vollständig aus seinen Suchergebnissen gestrichen. Diese tiefgreifende Veränderung basiert auf strengen Vorgaben der Europäischen Kommission und zwingt sowohl Händler als auch Konsumenten zur Umstellung bei der digitalen Produktsuche.
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Das Wichtigste in Kürze
- Streichung der Freelistings: Seit dem 16. September wurden kostenlose Produkt-Snippets, Produktkarussells und der Reiter „Produkte“ in der europäischen Google-Suche komplett entfernt.
- Regulatorischer Druck: Ursache ist der Digital Markets Act (DMA) der EU, welcher der Bevorzugung eigener Google-Dienste gegenüber Preisvergleichsportalen ein Ende setzen soll.
- Veränderte Nutzererfahrung: Statt direkter Produktboxen und Karussels werden Nutzern nun verstärkt Blöcke mit externen Vergleichsseiten wie Geizhals, Idealo oder billiger.de angezeigt.
- Folgen für Händler: Die kostenlose organische Reichweite über das Google Merchant Center bricht weg, was Händler stärker in bezahlte Anzeigen oder auf Drittplattformen drängt.
- Strategische Relevanz: Händler müssen ihre Datenkanäle diversifizieren, die Google Search Console überwachen und verstärkt auf Multichannel-Strategien setzen.
Welche tiefgreifenden Änderungen hat Google an der Suchoberfläche vorgenommen?
Am 16. September ereignete sich in der europäischen Suchlandschaft ein historischer Einschnitt. Wer in den vergangenen Jahren eine kaufbezogene Suchanfrage bei Google stellte, stieß verlässlich auf grafisch aufbereitete Produktkarussells, Vergleichsboxen und kostenlose Produktlistungen. Diese sogenannten Freelistings wurden direkt aus den Feeds des Google Merchant Centers gespeist und boten Shopbetreibern eine prominente Möglichkeit, ohne Werbebudget potenzielle Kunden anzusprechen.
Mit einem Schlag hat Google diesen kompletten Bereich in ganz Europa deaktiviert. Nicht nur das Produktkarussell innerhalb der allgemeinen Suchergebnisse wurde entfernt, sondern auch der gesamte obere Reiter namens „Produkte“ bzw. „Shopping“ ist ersatzlos gestrichen worden. Betroffen sind neben dem klassischen Warenvertrieb auch weitere Verticals wie Hotels, Flüge und Restaurants, bei denen unbezahlte Vergleichsanzeigen ebenfalls verschwunden sind.
Erhalten geblieben sind hingegen die kostenpflichtigen Werbeformate. Google Shopping Ads sowie klassische Textanzeigen (Google Ads) werden weiterhin an den gewohnten oberen und unteren Positionen der Ergebnisseite ausgespielt. Damit ist der Zugang zu direkten Bild- und Preisdarstellungen in der Google-Suche fortan denjenigen Marktteilnehmern vorbehalten, die für Klicks finanzielle Mittel einsetzen. Für die organische Produktsuche bedeutet dies eine Rückkehr zur klassischen Darstellung textbasierter Suchergebnisse.
Warum führte der Druck der Europäischen Union zu dieser Entscheidung?
Die Ursachen für diesen drastischen Schritt liegen in der Regulierungspolitik der Europäischen Union. Im Zentrum steht der Digital Markets Act (DMA), eine Gesetzgebung, die darauf abzielt, marktbeherrschende Technologiekonzerne – sogenannte „Gatekeeper“ – in ihrer Macht einzuschränken und fairen Wettbewerb sicherzustellen.
Aus Sicht der EU-Kommission sowie europäischer Preisvergleichsportale hatte Google über Jahre hinweg eigene Produkte bevorzugt behandelt. Dienste wie Idealo, Billiger.de, Geizhals oder Günstiger.de erhielten in den regulären Suchergebnissen meist weniger prominente Plätze. Die visuellen Produktkarussells von Google Shopping hingegen belegten die attraktivsten Positionen im sichtbaren Bereich der Ergebnisseite.
Dieser Konflikt besitzt eine lange Vorgeschichte. Bereits im Jahr 2017 verhängte die EU-Kommission eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro gegen Google, da das Unternehmen seine Marktmacht zur Bevorzugung des eigenen Shopping-Dienstes missbraucht habe. Nachdem der juristische Streit über viele Jahre andauerte, setzte die EU im Juli eine Frist von 60 Tagen, um wettbewerbskonforme Bedingungen herzustellen. Als Reaktion darauf entschied sich der US-Konzern, die kostenlosen Shopping-Funktionen in Europa gänzlich abzuschalten.
Wie bewertet Google die neuen Suchergebnisse selbst?
Die Deaktivierung der Shopping-Elemente löste beim Betreiber der Suchmaschine eine spürbare Reaktion aus. In öffentlichen Mitteilungen vertritt Google die Haltung, dass die Entfernung der Produktleisten die Qualität der Suchergebnisse verschlechtert habe. Offiziell wird erklärt, „man liefere in Europa derzeit die qualitativ schlechtesten Suchergebnisse seit dem Bestehen der europäischen Google-Suche aus“.
Kritiker bewerten diese Aussagen jedoch als populistisch und rhetorisch zugespitzt. Google versuche damit, die Verantwortung für die Verschlechterung der Nutzererfahrung auf die europäischen Regulierungsbehörden abzuwälzen. Der Konzern verdeutlicht seinen Unmut darüber, dass eine gewohnte Suchumgebung zerschlagen wurde. Eine ähnliche Entwicklung war zuvor bereits bei der Einbindung von Google Maps zu beobachten, bei der die direkte Interaktivität in den Suchergebnissen stark eingeschränkt wurde.
Unter der Oberfläche spielt zudem der Wettbewerb um die Zukunft der digitalen Suche eine erhebliche Rolle. Mit dem Aufstieg künstlicher Intelligenz und Modellen wie den Suchfunktionen von ChatGPT versuchen neuartige Akteure, Produkt- und Preisinformationen direkt aus strukturierten Indizes abzugreifen. Indirekt erschwert Google durch die Verknappung visuell aufbereiteter Produktdaten auch solchen konkurrierenden KI-Systemen den Zugriff auf aufbereiteten Content.
Welche konkreten Konsequenzen entstehen für Online-Händler?
Für Shopbetreiber bringt der Wegfall der Freelistings spürbare Umstellungen mit sich. Wer in der Vergangenheit auf eine Strukturierung seiner Produktdaten über Schema.org und ein gepflegtes Merchant Center setzte, profitierte von kostenloser Sichtbarkeit. Diese organische Einnahmequelle existiert in der bisherigen Form nicht mehr.
Eine Analyse der Leistungsdaten in der Google Search Console verdeutlicht den Unterschied. Während der Leistungsbereich für „Händler-Einträge“ (Merchant Listings) seit Mitte September bei den meisten Onlineshops auf null oder nahezu null Einblendungen abgefallen ist, bleiben die regulären „Produkt-Snippets“ innerhalb der traditionellen Textsuchergebnisse relativ stabil. Die reinen Klickzahlen über organische Treffer weisen Kontinuität auf, die breite Sichtbarkeit in den visuellen Karussells ist jedoch verloren gegangen.
Besonders stark trifft diese Änderung Händler mit mittlerem Sortiment, die weder massive Budgets für bezahlte Kampagnen aufbringen können noch über dominante organische Rankings verfügen. Um sichtbare Positionen im oberen Bildschirmbereich zu halten, bleibt Unternehmen oft nur die Erhöhung der Ausgaben für Google Shopping Ads. Auf der anderen Seite ergeben sich neue Chancen für hochspezialisierte Nischenhändler: Da große Marken nicht mehr automatisch die visuellen Plätze blockieren, können gut optimierte Nischenseiten in den organischen zehn blauen Links weiter nach vorne aufrücken.
Was verändert sich für Verbraucher bei der Produktsuche?
Aus Sicht der Konsumenten bringt das Ende von Google Shopping einen merklichen Verlust an Komfort mit sich. Bislang reichte die Eingabe eines Begriffs wie „Waschmaschine mit Toploader“ aus, um auf einen Blick Produktbilder, Preise und Verfügbarkeiten mehrerer Anbieter direkt miteinander zu vergleichen. Dieser direkte Weg ist nun blockiert.
Anstelle des eigenen Shopping-Grids zeigt Google Nutzern in Europa bei kaufrelevanten Anfragen nun sogenannte Vergleichsportal-Verticals an. In diesen Blöcken werden Plattformen wie Geizhals, Preis.info, Idealo oder Günstiger.de gelistet. Für Verbraucher bedeutet dies, dass sie für einen Preisvergleich zusätzliche Klicks tätigen und externe Webseiten aufsuchen müssen.
Diese Umstellung erfordert mehr Eigeninitiative und Zeitaufwand bei der Recherche. Gleichzeitig führt die veränderte Darstellung aber auch dazu, dass Suchende wieder mit einer breiteren Palette unterschiedlicher Händler und Vergleichsdienste in Berührung kommen. Das gewohnte Vertrauen in die All-in-one-Lösung von Google weicht somit einer dezentraleren Produktsuche, bei der Verbraucher gezielter verschiedene Quellen konsultieren müssen.
Welche Strategien und Handlungsoptionen sollten Händler jetzt ergreifen?
Angesichts der Neuordnung der Suchergebnisse müssen E-Commerce-Verantwortliche ihre Marketingstrategien anpassen. Das Verharren auf bisherigen Optimierungsroutinen reicht nicht mehr aus, um Reichweitenverluste auszugleichen.
Zunächst ist eine genaue Bestandsaufnahme unerlässlich. Shopbetreiber sollten in der Google Search Console den Reiter „Leistung“ konsultieren und dort gezielt die Filter „Produkt-Snippets“ analysieren. Auf diese Weise lässt sich präzise identifizieren, wie stark die eigenen Produkte vom Wegfall der Freelistings betroffen sind und wo organische Potenziale in der klassischen Suche weiterhin genutzt werden können.
Darüber hinaus gewinnt die Diversifikation der Vertriebskanäle an Bedeutung. Da externe Vergleichsplattformen wie Idealo, Billiger.de oder Geizhals in den Suchergebnissen an Prominenz gewonnen haben, sollten Händler prüfen, ob eine Anbindung an diese Portale wirtschaftlich sinnvoll ist. Es gilt abzuwägen, ob die anfallenden Gebühren dieser Plattformen in einem gesunden Verhältnis zur Marge stehen.
Parallel dazu empfehlen sich erweiterte Investitionen in bezahlte Werbekanäle wie Google Shopping Ads, Meta Ads sowie die Beobachtung neuer Anzeigenformate auf KI-Plattformen. Eine stärkere Ausrichtung auf ganzheitliche Multichannel-Präsenz stellt sicher, dass Unternehmen nicht von einer einzelnen Suchmaschine abhängig bleiben.
Fazit – Das Aus der Google Shopping Ergebnisse
Das Aus von Google Shopping in der europäischen Organik markiert einen Wendepunkt für den E-Commerce. Zwar verlieren Shopbetreiber wertvolle kostenfreie Sichtbarkeit und Verbraucher einen gewohnten Komfort, doch zwingt die Neuregelung zu mehr Vielfalt im digitalen Markt.
Wer jetzt flexibel reagiert, seine Datenanalysen schärft und auf eine breite Multichannel-Aufstellung setzt, wird gestärkt aus diesem Transformationsprozess hervorgehen.
Über den Autor

Jens Mönning ist ein Experte im Bereich Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung (SEO & GEO) und arbeitet seit 2022 als SEO-Manager bei der MADMEN Onlinemarketing GmbH. Er beschäftigt sich seit 1999 mit Suchmaschinenoptimierung und Onlinemarketing und betreut Kunden aus ganz Deutschland im Bereich SEO und GEO.




