Die Zukunft der Suche: Der KI-Modus von Google
Die Art und Weise, wie wir Informationen im Internet finden, erlebt derzeit einen der radikalsten Umbrüche seit dem Bestehen von Suchmaschinen. Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI-Modus) direkt in die Suchoberfläche verändert nicht nur die technischen Algorithmen im Hintergrund, sondern transformiert tiefgreifend das tägliche Verhalten der Nutzer weltweit.
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Das Wichtigste in Kürze
- Explosives Wachstum: Der KI-Modus in der Suche verzeichnet bereits über eine Milliarde Nutzungen monatlich und wächst deutlich schneller als eigenständige Anwendungen wie ChatGPT.
- Längere und präzisere Suchanfragen: Nutzer stellen heute bis zu 3x längere Fragen, die detaillierte Kontexte und spezifische Anforderungen enthalten.
- Wandel zur Konversation: Die Suche entwickelt sich weg von einfachen Stichworten hin zu einem dialogorientierten Brainstorming mit steigenden Follow-up-Anfragen.
- Neue Suchintentionen: Neben klassischen Motiven wie „Kaufen“ oder „Informieren“ rücken „Inspiration“, „Planung“ und kreative Erstellung („Create“) in den Fokus.
- Anpassungsbedarf für Webseiten: Techniken wie „Chunking“, strukturierte Daten und ein Fokus auf E-E-A-T sind essenziell, um in KI-Antworten als Quelle zitiert zu werden.
Warum wächst die KI-gestützte Suche so rasant?
Die Geschwindigkeit, mit der sich der sogenannte „AI Mode“ in den Alltag integriert hat, ist beispiellos. Während Dienste wie ChatGPT etwa zwei Jahre benötigten, um 100 Millionen Nutzer zu erreichen, generierte der KI-Modus der Suche in nur einem Jahr 1 Milliarde monatliche Nutzer. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die unmittelbare Verfügbarkeit. Während Nutzer für andere KI-Dienste oft separate Apps öffnen oder spezifische Webseiten ansteuern müssen, ist die KI in der Suche einfach bereits vorhanden. Sie ist in den Browsern als Startseite integriert und standardmäßig auf den meisten Smartphones – sowohl bei Android-Geräten als auch durch Kooperationen auf Apple-Geräten – vorinstalliert.
Diese Omnipräsenz führt dazu, dass die Hemmschwelle für die Nutzung extrem sinkt. Nutzer, die früher klassisch „gegoogelt“ haben, befinden sich nun automatisch im KI-Modus, sobald sie eine Anfrage abschicken. Google hat es dadurch geschafft, die Anwender deutlich länger in seinem eigenen Ökosystem zu halten. Durch interaktive Vorschläge und die Möglichkeit, sofort auf Antworten zu reagieren, werden die Menschen dazu erzogen, die KI aktiv und kontinuierlich zu nutzen.
Wie verändert sich das Verhalten der Nutzer konkret?
Ein signifikanter Trend ist die Zunahme von sogenannten Follow-up-Anfragen, die um etwa 40% gestiegen sind. Nutzer geben sich nicht mehr mit einem einzelnen Ergebnis zufrieden, sondern beginnen, mit der KI zu sprechen und den Dialog durch weitere Fragen zu vertiefen. Es findet eine Transformation statt: von einer statischen Ergebnisliste hin zu einer dynamischen Unterhaltung, die oft den Charakter eines Brainstormings annimmt.
Früher dominierten kurze Suchbegriffe, sogenannte „Short-Head“-Keywords, das Geschehen. Man suchte beispielsweise nach „Sporttasche“ und musste sich anschließend durch zahlreiche Webseiten klicken, um das passende Modell zu finden. Heute ist dieses Verhalten nahezu verschwunden. Die Suchanfragen sind inzwischen bis zu dreimal länger geworden und enthalten oft ganze Lebensgeschichten oder hochspezifische Anforderungen. Ein moderner Nutzer sucht vielleicht nach einer „Sporttasche für Basketball-Equipment, die groß genug für Schuhe in Übergröße und einen Ball ist“. Die KI verarbeitet diesen komplexen Kontext und bietet direkt darauf zugeschnittene Lösungen an.
Zusätzlich gewinnt die multimediale Suche an Bedeutung. Immer mehr Menschen laden Bilder hoch, um Fragen zu stellen, wie etwa die Identifizierung einer Pflanzenart oder die Suche nach Ersatzteilen für ein defektes Bauteil anhand eines Fotos. Diese visuelle Intelligenz ermöglicht Antworten in Situationen, in denen Worte allein zur Beschreibung kaum ausreichen würden.
Welche Themenbereiche werden besonders stark durch KI beeinflusst?
Interessanterweise hat sich das Spektrum der Themen, die über KI-Assistenten abgefragt werden, massiv erweitert. Ursprünglich gab es Vorbehalte, KI-Antworten in sensiblen Bereichen wie Finanzen oder Gesundheit (den sogenannten „Your Money Your Life“-Themen) auszuspielen. Doch heute finden sich KI-Übersichten in fast allen Bereichen, von Finanztipps bis hin zu medizinischen Ratschlägen.
Besonders häufig wird die KI für folgende Zwecke genutzt:
- Reise- und Budgetplanung: Nutzer lassen sich komplette Sightseeing-Touren für Städte wie Paris zusammenstellen, inklusive Routenplanung, Speisekarten-Checks und Ticketlinks.
- Fitness und Gesundheit: Die Suche nach Rezepten oder die erste Einschätzung von Symptomen gehört zum Alltag.
- Kreativität und Medien: Die KI hilft beim Freistellen von komplexen Bildinhalten auf Knopfdruck, erstellt Logos oder schreibt Geschichten, die man sich vorlesen lassen kann.
- Programmierung: Sowohl Einsteiger als auch Profis nutzen die KI, um Code zu generieren, Fehler zu beheben oder Layout-Vorschläge für Webseiten zu erstellen.
Welche neuen Suchintentionen entstehen durch die KI?
Die klassische Einteilung der Suchintentionen in navigationsorientiert, informationsorientiert und transaktionsorientiert wird durch die neuen Möglichkeiten revolutioniert. Google definiert nach 25 Jahren Firmengeschichte nun neue Kategorien, die den veränderten Interaktionen Rechnung tragen.
Eine dieser neuen Intentionen ist das „Erkunden“ (Exploration). Hierbei geht es um Inspiration ohne festes Ziel, beispielsweise wenn jemand wissen möchte, was man alles mit dem Werkstoff Holz basteln kann. Die KI liefert hier Listen und Ideen, auf die der Nutzer alleine vielleicht nie gekommen wäre. Eine weitere Kategorie ist das „Lernen und Wissen“ (Learn). Hierbei tauchen Nutzer tief in Themen ein oder nutzen die KI als Tutor für das Erlernen einer neuen Sprache.
Zudem gibt es den Bereich „Planung“ (Do), bei dem die KI assistiert, komplexe Vorhaben wie Stadtbesuche oder Events zu organisieren, inklusive aller logistischen Details wie Öffnungszeiten und Reservierungen. Schließlich ist die Intention „Generieren“ (Create) zu nennen, bei der die Suche direkt in den Schaffensprozess übergeht, indem Inhalte wie Code-Snippets oder Mock-ups erstellt werden.
Wie müssen Webseitenbetreiber auf diese Transformation reagieren?
Für Betreiber von Webseiten und Online-Shops bedeutet dieser Wandel, dass die alten Rezepte der Suchmaschinenoptimierung – wie etwa eine bestimmte Keyword-Dichte – nicht mehr ausreichen und sogar schädlich sein können. Um in den KI-Antworten (AI Overviews) als vertrauenswürdige Quelle zitiert zu werden, ist eine strategische Neuausrichtung erforderlich.
Ein zentrales Konzept ist hierbei das „Chunking“. Dabei werden Inhalte in kurze, prägnante Abschnitte unterteilt, die jeweils eine spezifische Frage direkt beantworten oder eine Definition bieten. Diese Struktur macht es der KI leicht, Informationen zu extrahieren und als Zitat zu verwenden. Gleichzeitig muss jedoch der Spagat gelingen, den Text für menschliche Leser attraktiv zu halten und nicht nur faktische Fragmente aneinanderzureihen.
Ein weiterer Pfeiler ist das Vertrauen, zusammengefasst unter dem Kürzel E-E-A-T (Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit). Da KI-Systeme bevorzugt Quellen zitieren, denen sie eine hohe Autorität zuschreiben, müssen Webseitenbetreiber ihre Expertise nachweisen. Dies geschieht unter anderem durch:
- Strukturierte Daten (Schema Markup): Die Verwendung von JSON-LD ist entscheidend, um Maschinen klare Fakten über Produkte, Autoren oder FAQs zu liefern.
- Knowledge Graph Anbindung: Die Verknüpfung mit großen Entitäten wie Wikipedia oder konsistente Profile in Branchenbüchern stärken das digitale Profil.
- Multimediale Inhalte: Hochwertige Produktbilder aus verschiedenen Winkeln und informative Videos sind essenziell für die visuelle Suche.
- Multi-Turnout-Optimierung: Inhalte sollten so aufbereitet sein, dass sie auch Kontext für potenzielle Follow-up-Fragen bieten, um über mehrere Interaktionsschritte hinweg als Quelle relevant zu bleiben.
Welche Rolle spielen Werbeanzeigen in der neuen KI-Welt?
Auch die bezahlte Suche (SEA) wird durch die KI transformiert. Es zeigt sich eine interessante Korrelation: Wenn eine Webseite in den organischen KI-Übersichten zitiert wird, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Klick auf eine parallel geschaltete Werbeanzeige desselben Anbieters signifikant. Es entsteht ein Synergieeffekt zwischen SEO und Google Ads.
Zukünftig könnten Werbeanzeigen in KI-Antworten noch stärker integriert werden, indem sie wie zusätzliche Informationsquellen erscheinen, jedoch als „gesponsert“ gekennzeichnet sind. Google scheint zudem Mechanismen einzuführen, bei denen Nutzer bevorzugte Quellen in ihrem Profil angeben können, was wiederum die Ausspielung von Anzeigen dieser bevorzugten Marken beeinflussen könnte. Die Trennung zwischen bezahlten und organischen Ergebnissen bleibt zwar bestehen, doch der Faktor Relevanz und die attraktive Aufbereitung der Inhalte werden für beide Bereiche immer entscheidender.
Fazit – wie KI das Suchverhalten transformiert
Die Transformation des Suchverhaltens durch Künstliche Intelligenz ist keine ferne Zukunftsvision, sondern bereits gelebte Realität. Nutzer kommunizieren natürlicher, stellen komplexere Anforderungen und erwarten maßgeschneiderte Lösungen statt einfacher Linklisten. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre digitalen Inhalte radikal auf Zitierfähigkeit, Tiefe und multimediale Relevanz optimieren müssen, um in diesem neuen Ökosystem sichtbar zu bleiben.
Letztlich gewinnt derjenige, dem es gelingt, technisches „Chunking“ mit menschlich wertvollem Content und echtem Vertrauen zu vereinen.
Über den Autor

Jens Mönning ist ein Experte im Bereich Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung (SEO & GEO) und arbeitet seit 2022 als SEO-Manager bei der MADMEN Onlinemarketing GmbH. Er beschäftigt sich seit 1999 mit Suchmaschinenoptimierung und Onlinemarketing und betreut Kunden aus ganz Deutschland im Bereich SEO und GEO.





