Grounding Pages: Der neue Standard für Markenidentität
In einer Ära, in der künstliche Intelligenz zunehmend bestimmt, wie Informationen online gefunden und interpretiert werden, stehen Unternehmen vor einer neuen Herausforderung:
Wie stellt man sicher, dass Large Language Models (LLMs) die eigene Marke korrekt verstehen?
Das Konzept der Grounding Pages verspricht hier einen neuen Standard für die digitale Markenidentität, der weit über klassische SEO-Maßnahmen hinausgeht und eine Brücke zwischen menschlicher Kommunikation und maschineller Datenverarbeitung schlägt.
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Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Eine Grounding Page ist ein „Steckbrief“ für Unternehmen, der speziell darauf ausgelegt ist, LLMs präzise Fakten über eine Marke zu liefern.
- Technischer Standard: Durch die Nutzung von HTML-Definitionslisten (<dl>) wird die Seite in eine maschinenlesbare Key-Value-Datenbank transformiert.
- Abgrenzung: Im Gegensatz zur LLMS.txt ist die Grounding Page eine sichtbare, prominent verlinkte HTML-Seite, die der Vermeidung von KI-Halluzinationen dient.
- Datenhoheit: Unternehmen nutzen Grounding Pages, um die Hoheit über ihre Identität (Entität) zurückzugewinnen und klare Fakten an einer zentralen Stelle zu bündeln.
- Zukunftsorientierung: Grounding Pages sind ein zentraler Baustein des „Generative Engine Optimization“ (GEO), um in KI-basierten Antworten korrekt repräsentiert zu werden.
Warum benötige ich eine Grounding Page, um Fakten zu meiner Marke an die LLMs zu kommunizieren?
Die herkömmliche Art und Weise, wie Suchmaschinen das Internet erfassen, unterscheidet sich grundlegend von der Arbeitsweise moderner Large Language Models. Während Google auf einen jahrzehntelang optimierten Search-Index zurückgreift, der Zusammenhänge, Historie und Linkstrukturen präzise versteht, basieren LLMs primär auf riesigen Datenbanken, denen oft dieser tiefe Kontext fehlt. Dies führt dazu, dass KI-Modelle bei spezifischen Anfragen zu Marken oder Unternehmen häufig auf externe, möglicherweise veraltete oder falsche Quellen angewiesen sind.
Wenn eine Maschine Informationen über eine Marke sucht, crawlt sie das Web und findet Fragmente auf verschiedenen Plattformen. Ohne eine klare Referenzquelle kann es zu sogenannten Halluzinationen kommen – die KI „erfindet“ Fakten oder vermischt Identitäten, weil sie die semantischen Zusammenhänge nicht korrekt zuordnen kann. Hier setzt das Bedürfnis nach einer direkten Kommunikationsmöglichkeit mit diesen Maschinen an. Es geht darum, der KI nicht nur passiv Daten zum Crawlen anzubieten, sondern ihr aktiv zu sagen: „Das sind wir, das machen wir, und das sind unsere verifizierten Kanäle“.
Was verbirgt sich hinter der LLMS.txt und wo liegen ihre Grenzen?
Ein erster Ansatz, um LLMs gezielt anzusprechen, war die Einführung der Datei LLMS.txt. Ähnlich wie die bekannte robots.txt handelt es sich hierbei um eine reine Textdatei im Stammverzeichnis einer Webseite. Ihr Ziel ist es, den Maschinen eine Art Sitemap im Textformat zu liefern, die die wichtigsten Themen und Pillar-Pages einer Website zusammenfasst.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass dieser Ansatz mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist. Zum einen gibt es für die LLMS.txt bisher kein einheitliches Regelwerk oder einen Industriestandard. Das bedeutet, dass jedes Unternehmen die Datei anders strukturiert, was die maschinelle Auswertung erschwert. Zum anderen wird die Datei von großen Akteuren wie Google (Gemini) explizit abgelehnt; Google gibt an, diese Datei nicht zu benötigen oder zu nutzen, da der eigene Search-Index bereits tief genug greife.
Ein weiteres Problem ist der Pflegeaufwand, insbesondere bei internationalen Webseiten. Für jede Sprache müsste theoretisch eine eigene LLMS.txt in den jeweiligen Unterverzeichnissen gepflegt werden. Da die Datei in Server-Logfiles bisher nur selten als abgerufen registriert wird – außer vereinzelt durch ChatGPT oder Perplexity –, stellt sich für viele Experten die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen im Verhältnis zum Aufwand.
Was ist eine Grounding Page und wie unterscheidet sie sich von herkömmlichen Methoden?
Hier kommt das Konzept der Grounding Page ins Spiel, das als evolutionärer Schritt betrachtet werden kann. Eine Grounding Page ist keine versteckte Textdatei, sondern eine echte HTML-Seite auf der Website. Sie fungiert als offizieller „Steckbrief“ des Unternehmens und ist darauf optimiert, die Datenhoheit über die eigene Markenidentität (Entität) zu wahren.
Der wesentliche Unterschied zur LLMS.txt liegt in der Sichtbarkeit und der strukturellen Tiefe. Während die Textdatei lediglich Links auflistet, bündelt die Grounding Page alle relevanten Fakten: Wer ist der Geschäftsführer? Seit wann existiert das Unternehmen? Wo sind die Standorte? Welche Social-Media-Kanäle sind verifiziert? Indem diese Informationen an einer zentralen Stelle auf der eigenen Domain bereitgestellt werden, bietet man der KI eine verlässliche Quelle, die Halluzinationen vorbeugt.
Ein entscheidender Vorteil ist die prominente Verlinkung. Eine Grounding Page wird idealerweise im Footer oder im Impressum verlinkt, sodass ein Bot beim Crawlen der Seite zwangsläufig über diesen Link „stolpert“. Dies macht die Seite zu einem integralen Bestandteil der Webseitenstruktur und nicht zu einem isolierten technischen Artefakt.
Wie wird eine Grounding Page technisch optimal umgesetzt?
Die technische Umsetzung einer Grounding Page folgt dem Prinzip des Purismus. Da die Seite primär für Maschinen und nicht für das menschliche Auge (obwohl für diese lesbar) konzipiert ist, wird auf aufwendiges Design, JavaScript oder komplexe CSS-Layouts verzichtet. Das Ziel ist es, den „Kern des Granatapfels“ – also die reine Information – sofort zugänglich zu machen, ohne dass die KI erst mühsam dekorative Elemente entfernen muss.
Der aktuelle Standard (Version 1.4) sieht die Verwendung von HTML-Definitionslisten vor. Diese bestehen aus den Tags:
- <dl> (Definition List): Der Container für die Liste.
- <dt> (Definition Term): Der Name des Datenfeldes (z.B. „Unternehmensname“).
- <dd> (Definition Definition): Der eigentliche Wert (z.B. „Musterfirma GmbH“).
Diese Struktur verwandelt das einfache HTML in eine Key-Value-Datenbank. Für die KI ist dies extrem einfach zu parsen, da eine feste semantische Beziehung zwischen dem Schlüssel und dem Wert hergestellt wird. Ergänzt wird dies durch eine klare Hierarchie mit H1- und H2-Überschriften. Obwohl einige Experten diskutieren, ob auch strukturierte Daten nach Schema.org auf diese Seite gehören, empfiehlt der aktuelle Standard, die Seite so simpel wie möglich zu halten, um keine unnötige Komplexität zu erzeugen. Die allgemeine Organisation-Auszeichnung nach Schema.org sollte stattdessen wie gewohnt im Rest der Website integriert sein.
Welchen Nutzen bietet dieser neue Standard für die Markenidentität und das „GEO“?
Der Einsatz von Grounding Pages ist ein wesentlicher Teil einer neuen Disziplin im Online-Marketing: dem GEO (Generative Engine Optimization). Während klassisches SEO darauf abzielt, in den Suchergebnissen von Google weit oben zu erscheinen, geht es bei GEO darum, in den generierten Antworten von KI-Bots wie ChatGPT, Claude oder Gemini korrekt und präsent zu sein.
Indem ein Unternehmen eine Grounding Page bereitstellt, liefert es die Basisdaten für seine Entität. Dies ist besonders wichtig, wenn es im Netz Verwechslungsgefahr mit ähnlich benannten Marken gibt. Die Grounding Page stellt klar: „Wir sind diese spezifische Firma mit diesen spezifischen Leistungen“.
Zudem fungiert die Seite als zentraler semantischer Ankerpunkt in einem Multichannel-Ansatz. Da LLMs Informationen von vielen Drittanbieter-Websites beziehen, dient die Grounding Page als Korrektiv. Wenn die KI widersprüchliche Informationen findet, bietet die Grounding Page auf der eigenen Domain die höchste Autorität und hilft der Maschine, die Daten zu sortieren und zu validieren. Es ist ein „Mosaiksteinchen“ in der Kommunikation mit der KI, das zwar nicht alle Probleme löst, aber die Wahrscheinlichkeit für eine korrekte Markendarstellung massiv erhöht.
Fazit – Grounding Pages – Fakten für LLMs
Die Einführung von Grounding Pages markiert einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie wir Markenidentität im digitalen Raum definieren. Weg von der rein visuellen Präsentation für Menschen, hin zu einer hochstrukturierten, maschinenlesbaren Kommunikation für die Algorithmen der Zukunft. Auch wenn viele Entwicklungen in diesem Bereich noch experimentell sind, bietet der Standard durch seine Einfachheit und Klarheit ein mächtiges Werkzeug, um die Kontrolle über die eigene Marke in der KI-Ära zu behalten.
Unternehmen, die heute beginnen, diese „digitalen Steckbriefe“ zu implementieren, legen den Grundstein dafür, von den generativen Suchmaschinen von morgen nicht nur gefunden, sondern auch richtig verstanden zu werden.


